Wander-Coaching

Aufbruch, Veränderung und Entwicklung für einzelne Führungskräfte und ganze Teams

 

Wander-CoachingDer Begriff Wander-Coaching löst verschiedene Assoziationen aus: In der Natur unterwegs sein und sich gedanklich wie im Gespräch mit verschiedenen Themen auseinandersetzen ist häufig die erste Vorstellung. Raus kommen aus dem Alltag und alltäglichen Räumen, in Kontakt sein mit sich, dem Mitlaufenden, der Natur und den mitgebrachten Themen. Selbst in Bewegung kommen und etwas in Gang bringen… Alles das ist Teil des Wander-Coachings, und es gibt viele weitere Ideen, die zutreffend sind. Wander-Coaching konkret zu beschreiben ist dabei gar nicht so leicht.

Wander-Coaching hat mit Vertrauen und sich einlassen zu tun. Es setzt Vertrauen in einen Prozess voraus, dessen Weg im Vorfeld noch nicht zu 100% klar ist. Die äußeren Bedingungen (z.B. Wetter, Einkehrmöglichkeiten, die Bedürfnisse der Mitwanderer) sowie die individuellen Bedürfnisse (z.B. die eigene Kondition, die richtigen Schuhe, der Mut authentisch zu sein) treten durch das Wander-Coaching zu Tage und bestimmen dessen Verlauf mit.

 

Aufbruch, Veränderung und Entwicklung stehen an?

Vielleicht helfen dabei die Wanderschuhe, denn: „Dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füße.“1

In einem Unternehmen oder einer Abteilung kommen Mitarbeiter aus unterschiedlichen Tätigkeits- und Verantwortungsbereichen, Professionen, Lebensaltern und Erfahrungen zusammen. Im Idealfall wird aus den Individuen ein Team, in dem konstruktiv gedacht, diskutiert und gehandelt wird. Jeder soll sich wohl fühlen, zufrieden sein, fit und gesund bleiben.
Ein erster Schritt aus dem Alltäglichen und dem immer Gleichen ist schon durch die bloße Vorbereitung einer Wanderung getan. Es werden völlig neue Gedanken angeregt oder lange verborgene Erinnerungen aktiviert. Die Lust am Unterwegssein und der Entdeckerinstinkt werden geweckt.

Die Komponente Wandern

WandernMenschen, die sich für das Wander-Coaching entscheiden, tun dies aus unterschiedlichen Beweggründen. Diese können privater oder beruflicher Natur sein. Mancher möchte endlich einmal wieder richtig durchatmen, ein Anderer die Ruhe und Stille der Natur nutzen, um in die eigene Kraft zu kommen und ein Dritter aus der sitzenden, abwartenden in eine aktive und selbstbestimmte Haltung gelangen.
Alle wollen etwas in Bewegung bringen.

Die allermeisten haben wohl nur eine leise Ahnung, was sie beim Wander-Coaching genau erwartet. Es gibt weder ein vorgegebenes Ziel noch eine klar formulierte Strategie. Doch der Wunsch, sich auf etwas Neues und Unbekanntes einzulassen und das Vertrauen in sich selbst, den Weg und das Coaching-Gespräch sind da. Gleichzeitig wissen oder ahnen viele, dass es beim Wandern (mit und ohne Gruppe) auch einen gesundheitlich wertvollen Aspekt gibt. Psychologische Untersuchungen zeigen, dass „das körpereigene Abwehrsystem auf angenehme soziale Begegnungen und Bewegung nachhaltig positiv [reagiert].“2 Das reine Erlebnis schöner Landschaften hinterlässt eine körperliche Wirkung: Puls und Blutdruck beruhigen sich, im Gehirn signalisieren verstärkte Alpha-Wellen Entspannung. Das gleichmäßige, ausdauernde Gehen bewirkt eine Veränderung des Stoffwechsels, der Schmerzempfindlichkeit, des Hungergefühls und der Stimmung. Gleichzeitig verstärkt die ausdauernde Bewegung die Hirndurchblutung und regt damit die geistige Kreativität an.3

Die Teilnehmenden sind aktiv unterwegs. Sie stecken sich ihre eigenen Ziele oder, wenn sie als Team zum Wander-Coaching kommen, ein attraktives gemeinsames Ziel. Im Laufen treffen sie Entscheidungen oder durchbrechen wiederkehrende Muster. Die Kraft und Stille der Natur bieten ein ideales Umfeld, um Veränderungsprozesse in Gang zu bringen und wirken zu lassen.

Bei der Bewegung in der Natur findet so etwas wie „Entschleunigung“ statt. Das Alltagstempo wird reduziert. Vielmehr erschließen die Teilnehmenden gelassen und mit innerer Ruhe und Langsamkeit ihre Umwelt. Dies eröffnet die Möglichkeit zu neuen, intensiven Erlebnissen.4

 

Die Komponente Coaching

Coaching ist darauf ausgerichtet, ein Problem überschaubar zu machen, ihm eine Struktur zu geben und es auf verschiedenen Ebenen zu betrachten. Lösungsorientiertes Coaching konzentriert sich von Anfang an auf die Lösungskompetenz der Coachees und verknüpft die Ebenen des Denkens, Fühlens und Handelns. Dabei werden methodische Kompetenzen erlangt, die beim Wiederauftreten von Problemen eigenständig angewandt und genutzt werden können. Im Gespräch kommen verschiedene Coaching-Formen zum Einsatz. Hierbei ist es wichtig, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, in der ein offener Umgang miteinander möglich ist. Die Teilnehmenden vereinbaren, wie sie im Rahmen des Wander-Coachings miteinander umgehen wollen. Wichtig sind eine wertschätzende Kommunikation und eine lösungsorientierte Haltung. Tipps und Ratschläge werden vermieden. Stattdessen sind offenes Zuhören und interessiertes Nachfragen wünschenswert.

Das Coaching zielt vor allem darauf ab, die positiven Gedanken und Gefühle, die es trotz einer problematischen Situation gibt, erfahrbar zu machen. Dies führt zu einer optimistischen Haltung und Selbstwertschätzung der Teilnehmenden. Das Verhalten von Kollegen und Mitarbeitern kann neu in den Blick genommen werden. Eine veränderte Herangehensweise ermöglicht es, leichter auf vorhandene Ressourcen und Kompetenzen zurückzugreifen.

Schon Albert Einstein wusste: „Man kann ein Problem nicht mit derselben Denkweise lösen, die zu seiner Entstehung geführt hat.“

 

Wander-Coaching als Methode

Coaching„Ein echtes Erlebnis enthält stets zwei Komponenten: Sicherheit und Herausforderung, die Geborgenheit des Gewohnten und die Faszination des Neuen. Eine schöne Landschaft vermittelt in besonderer Weise das Gefühl von Geborgenheit. Zum Erlebnis wird sie vor allem dadurch, dass sie gelegentlich auch ein Geheimnis preisgibt, unerwartete Perspektiven eröffnet, noch nicht gesehenes präsentiert.“5

Die Kommunikation ist beim Wandern offen und intensiv zugleich. Dies ermöglicht tiefgehende Gespräche, bei denen die Menschen gerne bereit sind, sich auch auf persönliche Fragen einzulassen. Im Dialog kann jeder der Gesprächspartner nach Belieben abschweifen (mit Blicken, Gedanken, Themen), das nebeneinander Gehen erleichtert die Gesprächsführung (man muss sich nicht ansehen).
Durch Wandern und Naturerleben werden körperliche, seelische und soziale Fähigkeiten gleichermaßen gefördert. Diejenigen, die sich auf den Weg machen, entdecken Vertrautes neu und machen sich Neues vertraut. Hier ist die Parallele zum Coaching.

Durch positive Anreize werden die eigenen Wünsche und Phantasien, etwas erreichen zu können und wollen, beflügelt. Dies ist der erste Schritt zur Veränderung. Während des Coachings sind die Teilnehmenden die Experten für Veränderung in ihrer eigenen Wirklichkeit. Durch das Erleben des Selbst, der eigenen Fähigkeiten und Ressourcen und das Unterwegssein entsteht eine psychische Stabilität. Auch nach stundenlangem Wandern fühlt der Wanderer sich gelöst, frei und bedürfnislos glücklich. Schnell ist die Anstrengung vergessen, wenn die Sicht vom Gipfel eines Berges Rückblick und Ausblick gleichermaßen frei gibt und eine völlig neue Perspektive auf die Dinge möglich wird.

Die verschiedenen Komponenten sind individuell wählbar bzw. entwickeln ein Eigenleben. Daher kann Wander-Coaching sowohl als Einzel- oder Teamerlebnis mit individueller Veränderung und Entwicklung stattfinden:

  • Die Wanderer: Menschen, Führungskräfte, ein Team, Kollegen, Mitarbeiter, die etwas und/oder sich selbst in Bewegung bringen wollen
  • Die Zeit: Ein paar Stunden, ein oder mehrere Tage, eine Woche
  • Der Weg: Eine Wegstrecke in der Natur, über Stock und Stein oder auf ausgebauten und vorgegebenen Wegen
  • Die Methoden: Aus dem pädagogischen und psychologischen Bereich, Anregungen und Impulse das eigene Handeln zu reflektieren, Fragestellungen und Übungen zur Einzelarbeit, Austausch im Kleinen und der gesamten Gruppe

Die Teilnehmenden sind mit allen Sinnen unterwegs!

Die Natur bietet eine natürliche und entspannte Umgebung. Die Coachees werden achtsam für das, was im Außen ist, was riechend, hörend, schmeckend, sehend und fühlend wahrnehmbar ist. Gleichzeitig werden die Teilnehmenden aufmerksam für sich selbst, den eigenen Atem, die Füße, die auftauchenden Gedanken und Gefühle. Bewusst oder unbewusst verlassen die Coachees festgefahrene Bahnen und kommen ihren eigenen Potentialen auf die Spur.

Inhaltlich steht die Suche nach einer Lösung für ein Problem oder Thema, welches die Beteiligten beschäftigt, im Mittelpunkt des Wander-Coachings. In einem ersten Schritt geht es darum, herauszufinden und zu benennen, was ich möchte, als Ersatz für das, was ich nicht mehr möchte. Statt mit alten Strategien ein Problem aufrecht zu erhalten gilt es Lösungen zu konstruieren.

Karte der BefindlichkeitenUm leichter in einen konstruktiven Prozess einsteigen zu können, hilft manchmal die Landkarte der Befindlichkeiten.6 Hierauf können die Teilnehmenden sich selbst entsprechend ihrer jeweiligen Situation und im übertragenen Sinne positionieren. Der aktuelle Standort kann in Bezug auf ein Problem oder Thema sichtbar gemacht werden. Ist es eine Weggabelung oder die Schutzhütte, der Wald mit vielen Bäumen oder herrscht Absturzgefahr am Berg? Neben der Ist-Situation kann gleichzeitig der Weg zum Ziel aufgezeigt werden. Wo will ich hin? Wo stehe ich, wenn ich das (gemeinsame) Ziel erreicht habe?

Sich auch in schwierigen bzw. extrem herausfordernden Situationen mit dem auseinanderzusetzen, was gut läuft, hört sich erst einmal paradox an. Dennoch gibt es in jeder als problematisch erlebten Phase etwas Positives. Hierin verstecken sich Fähigkeiten, die wir uns erst bewusst machen müssen. Dann haben sie enorme Kraft und motivieren uns den Blick auf das zu lenken, was funktioniert. Die verschiedenen Fragestellungen werden im Einzelgespräch mit dem Coach, in Kleingruppen oder in einer Art Gruppen-Coaching-Prozess bearbeitet. Sie kommen situativ je nach Zielsetzung, Verlauf und Zeit zum Einsatz und reichen von kleinen Arbeitsaufträgen über Gesprächsimpulse bis hin zu immer wiederkehrenden Fragestellungen. Jeder Teilnehmende nimmt dabei für sich selbst und/oder auch für sein Team einzelne Aspekte wahr und mit.

Integriertes Wander-Coaching

  • Arbeitet zielorientiert; will konkrete Lösungen und Veränderungen herbeiführen.
  • Orientiert sich an den Kompetenzen der Coachees und aktiviert ihre Schlüsselfähigkeiten.
  • Stärkt das Selbstbewusstsein durch verborgene, (wieder-) entdeckte Ressourcen auch in Zukunft.

Die Zeit

Zeit

Manchmal macht es Sinn, sich eine kleine Auszeit zu nehmen, um sich mit dem Schritt aus dem Alltag in eine neue Richtung zu bewegen. Dann dauert das Wander-Coaching ein paar Stunden oder einen Tag. Manchmal ist es aber auch gut, sich eine etwas längere Auszeit zu gönnen. Denn erst mit dem regelmäßigen Gehen und Unterwegssein entstehen Abstand zu Altem und Eingefahrenem und Platz für neue Ideen. Deshalb kann es Sinn machen, sich mehrere Tage am Stück oder eine ganze Woche Zeit für das Wander-Coaching zu nehmen. Damit kann der eigene Prozess und die Auseinandersetzung mit sich selbst länger und intensiver werden aber auch der Kontakt und die Interaktion mit den Menschen, die ebenfalls unterwegs und in Bewegung sind. Insbesondere die innere Bereitschaft sich anzuschauen, was gerade im Augenblick ansteht, braucht seine Zeit. Die (Wieder-) Entdeckung des Wanderns bedeutet in gewisser Weise auch die (Wieder-) Entdeckung der Langsamkeit.

 

Der Weg

JakobswegDer Weg wird zumeist vom Coach vorgegeben. Passend zum Thema der Teilnehmenden, zur Überschrift eines Workshops oder zu der entsprechenden Region, in der das Coaching stattfinden soll. Bänke oder kleine Hütten und Unterstände zum Ausruhen, Verweilen und Arbeiten inklusive. Eine kleine Einkehr ist ebenso schön, wie Flüsse und verwunschene Bachläufe, Wege und Pfade durch unterschiedliche Landschaften und das Auf und Ab auf unwegsamem Gelände.  Aus- und Fernsichten bieten Gelegenheit auch im übertragenen Sinne anzuknüpfen.
Wo komme ich/wo kommen wir her? Wo will ich/wo wollen wir hin?
Perspektiven und Horizonte können eine gute Motivation sein, sich in Bewegung zu setzen. Verschiedene Befürchtungen im Vorfeld können zum Verhinderer für die Tour werden. Sehr spannend ist dies, wenn es auch im übertragenen Sinne für den Veränderungsprozess gilt. Dabei schiebt sich der Weg – einmal los gelaufen – nicht nur im Zitat von Martin Walser fast wie von selbst unter die Füße. Diesen Spiegel gilt es im Rahmen des Wander-Coachings vorzuhalten. Denn in der Regel ist der Weg für jedermann zu gehen. Ganz gleich, ob es sich um ein Hütten-Wander-Coaching, eine Pilgertour oder eine Tagesetappe in der Region handelt. Die meisten Teilnehmenden werden im Laufe des Weges immer ehrgeiziger. Sie freuen sich über ihren eigenen Erfolg und die zurück gelegte Wegstrecke. Manche wollen ihre eigenen Grenzen austesten und gerne auch ein Stückchen darüber hinausgehen.

Eine Wanderkarte gibt die Möglichkeit den geplanten Weg mit dem, was in der Realität ist, abzugleichen. Das gibt Sicherheit und Orientierung. Sowohl in der Natur als auch beim Übertrag in die Situation im Alltag.

 

Das Ziel

Am Ende muss jeder für sich selbst entscheiden, was er aus einem Wander-Coaching für sich oder sein Team mitnimmt. Sich auf das Experiment Wander-Coaching einzulassen, erfordert Vertrauen und Mut! Es ist im Vorfeld schwer zu sagen, was am Ende des Tages oder einer Strecke dabei herauskommt. Sicher ist aber: Jeder ist in Bewegung gekommen und das (gemeinsame) Erlebnis bleibt nachhaltig in Erinnerung weil es mit allen Sinnen erfahrbar war. Das Coaching erfolgt häufig ganz nebenbei im Gespräch. Und doch ist es das Besondere! Mit Leichtigkeit und Zugang zu sich selbst, den eigenen Ressourcen und Fähigkeiten, aber auch im Kontakt mit dem Anderen, nehmen die Teilnehmenden schwere Themen plötzlich ganz anders wahr, bekommen einen neuen Blick darauf und sind frei in den Ideen zur Lösungsfindung.


1 Martin Walser, Jenseits der Liebe

2 Rainer Brämer, S.9, Wandern neu entdecken – Warum es sich lohnt, wieder mehr zu Fuß
zu reisen, Wandern als Natur- und Selbsterfahrung, Studien zum sanften Natursport,
2. überarbeitete Auflage, wanderforschung.de, 1999

3 Vgl. Rainer Bäumer, Natur tut gut – Warum wir uns beim Wandern so wohl fühlen, Wandern
als Natur- und Selbsterfahrung, Studien zum sanften Natursport, wanderforschung.de, 01/2003
und Mentale Regeneration- Natur bringt uns ins Lot, Natur subjektiv – Texte zur Natur-
Beziehung in der Hightech-Welt, natursoziologie.de, 12/2008

4 Vgl. Rainer Bäumer, Natur tut gut – Warum wir uns beim Wandern so wohl fühlen, Wandern als
Natur- und Selbsterfahrung, Studien zum sanften Natursport, wanderforschung.de, 01/2003 und
Mentale Regeneration- Natur bringt uns ins Lot, Natur subjektiv – Texte zur Natur-
Beziehung in der Hightech-Welt, natursoziologie.de, 12/2008

5 Rainer Brämer, S. 10, Wandern neu entdecken – Warum es sich lohnt, wieder mehr zu Fuß
zu reisen, Wandern als Natur- und Selbsterfahrung, Studien zum sanften Natursport,
2. überarbeitete Auflage, 1999

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